ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten kann. Es gibt verschiedene Typen, darunter den unaufmerksamen Typ und den hyperaktiven Typ. Während ADHS bei Buben oft durch hyperaktives Verhalten auffällt, zeigt sich bei Mädchen häufiger der unaufmerksame Typ.
ADHS bei Mädchen
Mädchen sind oft weniger auffällig als Buben, insbesondere wenn sie den unaufmerksamen Typ haben. Dieser Typ wird deshalb häufig übersehen oder erst spät erkannt, da die typischen Symptome wie Unaufmerksamkeit und Vergesslichkeit im Vergleich zu hyperaktivem Verhalten weniger auffällig sind. Hyperaktive Betroffene stören oft in ihrer schulischen und familiären Umgebung und werden daher schneller diagnostiziert und behandelt.
Unaufmerksamer ADHS Typ
Der unaufmerksame Typ ist bei Frauen, insbesondere in der Kindheit, häufiger. Diese Erscheinungsform ist charakterisiert durch Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, Aufgaben zu organisieren und Informationen zu behalten. Mädchen mit diesem Typ zeigen weniger störendes Verhalten, weshalb ihre Symptome oft nicht als problematisch wahrgenommen werden. Das führt dazu, dass sie später erfasst, diagnostiziert und behandelt werden.
Hyperaktiver ADHS Typ
Der hyperaktive Typ tritt bei Mädchen weniger häufig auf als bei Buben. Bei Kindern fällt dieser Typ durch eine erhöhte Aktivität, Impulsivität und Schwierigkeiten, sich ruhig zu verhalten, auf. Hyperaktive ADHS-Betroffene stören oft in ihrer schulischen und familiären Umgebung und werden deshalb früher diagnostiziert. Dies gilt zwar auch für Mädchen, doch tritt dieser Typ bei ihnen deutlich seltener auf.
ADHS im Erwachsenenalter
Das gesamte Drama der Symptomatik zeigt sich oft erst im Erwachsenenalter. Frauen mit ADHS haben häufig Schwierigkeiten im Berufs- und Arbeitsleben sowie in ihrer Rolle als Mutter. Die Herausforderungen, die mit der Krankheit einhergehen, können zu erheblichen Problemen in der Selbstorganisation, im Zeitmanagement und bei der Erfüllung von Alltagsaufgaben führen.
Berufliche Auswirkungen
Im Berufsleben kämpfen Frauen mit ADHS oft mit dem Druck, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Unaufmerksames Verhalten und Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, können die Arbeitsleistung beeinträchtigen und zu Missverständnissen oder Konflikten mit Kolleg:innen führen. Viele Betroffene berichten von Schwierigkeiten, ihre Ziele zu erreichen und ihren Arbeitsalltag zu strukturieren.
Familiäre Auswirkungen
Als Mütter stehen Frauen mit ADHS vor der Herausforderung, den Anforderungen des Familienlebens gerecht zu werden. Die Symptome der Unaufmerksamkeit und Impulsivität können es schwierig machen, den Überblick über die täglichen Aufgaben zu behalten und sich auf die Bedürfnisse ihrer Kinder zu konzentrieren. Diese Schwierigkeiten können zu Stress und Frustration führen, sowohl für die betroffenen Frauen als auch für ihre Familien.
Früherkennung und Behandlung
Die Früherkennung und Behandlung von ADHS ist entscheidend für die Bewältigung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität. Bei hyperaktiven Betroffenen (Buben bzw. Männern) erfolgt die Diagnose oft schneller, da ihre Symptome auffälliger sind und als störend wahrgenommen werden. Dies führt dazu, dass sie früher Hilfe und Unterstützung bekommen.
Frauen mit dem unaufmerksamen Typ müssen oft länger warten, bis ihre Symptome erkannt werden. Sobald die Diagnose gestellt ist, können verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden, darunter medikamentöse Therapie oder stützende klinisch-psychologische Behandlung. Aber auch die Behandlung mittels EMDR stellt eine therapeutische Alternative dar.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist eine weit verbreitete und effektive Behandlungsmethode. Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin-Derivate können die Konzentration und Aufmerksamkeit verbessern und die Impulsivität reduzieren. Diese medikamentöse Behandlung wird individuell angepasst.
Herausforderungen
ADHS bei Frauen ist ein komplexes Thema, das oft unterschätzt wird. Insbesondere der – bei Frauen häufigere – unaufmerksame Typus erfordert eine gezielte Früherkennung und individuelle Behandlung. Mit geeigneten Therapieansätzen und Unterstützung können Frauen mit ADHS lernen, ihre Symptome besser zu bewältigen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Wird das Bewusstsein für ADHS bei Frauen in der Gesellschaft geschärft so kann Frauen die notwendige Unterstützung geboten werden, um die Herausforderungen des Alltags erfolgreich zu meistern.

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